BESTE DATEN

Treue Beziehung

Treue Beziehung

von · 14.06.2017

Treue scheint ein seltenes Gut geworden zu sein. Passt die Vorstellung, dass wir unser Leben nur mit einem einzigen Menschen verbringen noch in unsere moderne Zeit? Oder ist Monogamie und sexuelle Exklusivität ein überholtes Konzept? Wenn man den Umfragen glaubt, steht die Treue hoch im Kurs. Doch das ist nur eine Seite der Medaille: Gleichzeitig gesteht die Hälfte der Probanden, selbst schon einmal einen Partner betrogen zu haben.

Wie kommt es zu diesem Paradox? Warum gehen Menschen fremd, setzen Ihre Beziehung aufs Spiel und nehmen die Tatsache in Kauf, ihren Partner so sehr zu verletzen? Treue — Ausnahmeerscheinung in der Natur Verglichen mit der Tierwelt ist die Treue beim Menschen eine Ausnahmeerscheinung. Fast kein anderes Lebewesen ist wirklich monogam. Evolutionsbiologen versuchen immer wieder das Phänomen Untreue mit unserer genetischen Programmierung zu erklären.

Der Mensch will sich fortpflanzen und das möglichst zahlreich. Um sein eigenes Erbgut besonders breit zu streuen, braucht der Mann nun mal mehrere Frauen. Das Ziel der Frauen ist es, sich die besten Gene herauszupicken und die müssen nicht unbedingt von ihrem Versorger stammen. Sicherlich spielt diese Komponente ebenfalls eine Rolle, aber niemand ist nur seinen Genen unterworfen und Untreue ist ein sehr komplexes Thema.

Der Reiz der Abwechslung Lebenslange Beziehungen sind heute nicht mehr die Regel. Trennungen und Scheidungen sind inzwischen weitestgehend gesellschaftlich akzeptiert. Die meisten Menschen führen mehrere Partnerschaften in Ihrem Leben und erfahren auch immer wieder Phasen als Single. Treue bezieht sich also nicht mehr nur auf einen Lebenspartner, sondern auf mehrere aufeinanderfolgende Lebensabschnittspartner.

Dieses Modell wird als serielle Monogamie bezeichnet. Doch ist die Beziehung die man gerade führt glücklich und erfüllend, scheint dieser Reiz nicht ganz so gefährlich zu sein. Der Psychologe John Lydon2 von der McGill Universität in Montreal fand heraus, dass glückliche verheiratete Paare einen instinktiven Schutzmechanismus gegenüber Bedrohungen haben und somit auf Avancen von Dritten — selbst wenn sie diese attraktiv fanden — weniger reagierten.

Ein Betrug in der Partnerschaft ist somit auch immer ein deutliches Warnsignal , das etwas in der Beziehung nicht stimmt. Vielleicht will man sich selbst seine Unabhängigkeit beweisen oder man sucht nach Anerkennung und Bewunderung, die man in der Partnerschaft nicht mehr so erfährt, wie man es sich wünscht. Ein Seitensprung wird jedoch weniger attraktiv, je mehr Investitionen schon in die Beziehung getätigt wurden. Eine mögliche Erklärung dafür suchen Wissenschaftler in der Evolution.

In Urzeiten mussten Frauen ihren Partner sorgfältig auswählen und fest an sich binden — denn ihr Überleben und das ihrer Nachkommen hing davon ab. Immerhin bedeuteten Schwangerschaft und Stillzeit eine hohe Investition. Männer dagegen hatten es auf maximale Fortpflanzung abgesehen, darum konnten und wollten sie sich viel Sex mit vielen Frauen erlauben. Gefühle als Bindungsfaktor sind für Frauen dieser Theorie zufolge wichtiger, darum ist für sie emotionale Untreue bedrohlicher als sexuelle.

Letzteres ist für Männer schwerer zu ertragen, denn damit werden sie in ihrer Männlichkeit angegriffen. Wie wichtig ist Treue heutzutage? Fast 90 Prozent aller Menschen wünschen sich einen treuen Partner. Aber jeder Zweite geht im Laufe einer festen Beziehung fremd. Wie kommt es zu diesem Widerspruch? Können wir einfach nicht treu sein oder wollen wir nur nicht?

Oder bedeutet uns Treue an sich heute nicht mehr viel? Und kann es ein Patentrezept für Treue geben? Das sagen unsere Liebesexperten: Treue, meint Wolfgang Krüger , sei eines der Kernthemen von Liebesbeziehung, die Untreue entspreche quasi der Aufkündigung der Bindung und damit der Basis einer Partnerschaft. Treue sei uns nach wie vor sehr wichtig. Dennoch würden 38 Prozent der Befragten daran zweifeln, dass der Mensch von Natur aus treu sein kann.

Oliver Schott sagt, die meisten von uns wären gar nicht treu im eigentlichen Sinne des Wortes. Die serielle Monogamie, also das zeitliche Aufeinanderfolgen von mehreren Beziehungen im Laufe unseres Lebens, sei mittlerweile so etwas wie ein Standard. Nur eben zur gleichen Zeit nicht, dann sehen wir die Treue in Gefahr. Treue sei oft missverstandene Liebe, so sehen es Lisa Fischbach und Holger Lendt. Aber unsere Angewohnheit, Liebe mit Treue gleichzusetzen, sei falsch und fatal und oft der Quell des Liebesübels.

Das Vertrauen in die Lebbarkeit dauerhafter Treue hält Franz-Josef Wetz für stark erschüttert. Gerade jüngere Generationen hätten das mittlerweile erkannt, was gespiegelt werde durch ein reges Interesse an Alternativen, auch zur Treue. Laut Wolfgang Schmidbauer verhindert die krampfhafte Verbindlichkeit in Beziehungen, die symbolisiert werde durch eine Überbewertung der Treue, einen spielerisch leichten, lustbetonten Umgang mit der Liebe in Beziehungen.

Wer sich für einen Partner entscheidet, dem fällt es nicht schwer, treu zu bleiben — das wird uns oft suggeriert. Denn wahre Liebe soll einzigartig, unteilbar und auf eine Person beschränkt sein. Ulrich Clement etwa meint, Treue sei nicht immer eine aktive Entscheidung.


Das Ideal der Treue

Einen Kommentar hinzufügen

Ihre E-Mail wird nicht veröffentlicht. erforderliche Felder sind markiert*