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Beziehung Sexualitat Probleme

Beziehung Sexualitat Probleme

von · 28.08.2017

Bekomme ich meine nicht-sexuelle Nähe und verläuft die Beziehung harmonisch und romantisch, gerne so oft wie möglich. Will meine Partnerin nur Standard-Sex und immer am selben Ort, womöglich noch zur selben Zeit, würde ich mir das schon über ein paar Wochen ansehen und dann vorsichtig mit ihr sprechen. Ich würde über die Ursachen nachdenken und mit meiner Freundin darüber sprechen, dass mir aufgefallen ist, dass wir seltener Sex haben. Falls sie aus mir unbekannten Gründen Sex verweigert, also Nein sagt, würde ich sofort nachfragen.

So etwas kläre ich unverzüglich. Vielleicht habe ich etwas unbemerkt falsch gemacht, vielleicht ist der Wurm in der Beziehung. Nein sagen zum Partner hat immer Gründe und die müssen schnell geklärt werden. Davon abgesehen kann es schon vorkommen, dass ein Paar mal weniger Sex hat. Solange das für beide OK ist, ist es kein Problem. Ich möchte gerne wissen, warum der Partner keine Lust hat, da ich vermute, dass hinter dem Symptom eine Ursache steckt Wenn ich keine Lust hätte, möchte ich auch gerne ein "offenes Ohr" bei meinem Partner vorfinden Verlässliche Daten dazu gibt es nicht, die Zahlen schwanken zwischen zwei und zehn Prozent der Paare.

Wie viele davon sind glücklich? Und bei wie vielen wird dieser Zustand eher zum Problem? Das Wort "glücklich" macht eine Antwort schwierig. Es gibt Paare, die gut damit leben können, keinen Sex zu haben. Für sie steht Sexualität weniger im Vordergrund als für andere. Das ist jedoch relativ selten. Ungewollte Sexlosigkeit ist komplizierter. Die Paare haben einen Konflikt, weil der eine Partner mehr Sex haben möchte, der andere weniger — und beide dann oft gar keinen mehr haben.

Wobei hier die subjektive Zählung wichtig wird: Für den einen bedeutet alle zwei Monate so gut wie gar keinen Sex, dem anderen ist das schon zu viel. Dieses Problem betrifft weit über zehn Prozent der Paare. Auch eine gefühlte Sexlosigkeit kann zum Problem werden? Das ist sogar das ganze Geheimnis! Keinen Sex zu haben ist zunächst nur ein Sachverhalt und kein Problem. Zum Problem wird dieser Sachverhalt erst, wenn einer der beiden Beteiligten damit nicht mehr zufrieden ist. Wobei die Häufigkeit des Verkehrs nur ein Aspekt ist.

Die andere Seite ist natürlich die Qualität von Sex: Ulrich Clement ist systemischer Paartherapeut und Sexualforscher. Sein Buch Think Love. In Heidelberg betreibt Ulrich Clement eine Privatpraxis für Coaching, Paar- und Sexualtherapie. Woher kommt die Unlust? Ich unterscheide zwischen zwei Arten der Lustlosigkeit: Mit aktiv meine ich ein klares "Nein, ich will das nicht", eine Ablehnung, vielleicht sogar Ekel. Passive Lustlosigkeit ist etwas anderes, da rührt sich nichts.

Es herrscht ein Gefühl des Defizits vor, weil die Lust sich nicht einstellt. Dieser Fall ist nicht selten, häufiger übrigens unter Frauen. Wenn sie Sexualität nicht in der bisherigen, sondern in einer anderen Form wollen, und man sie in der Therapie fragt, was genau sie denn möchten, wissen sie es häufig nicht. Nicht, weil sie es verschweigen wollen, sondern weil sie es wirklich nicht wissen. Oft verstecken sich dahinter Wünsche, die man auch als Therapeut nicht gleich im ersten Gespräch erarbeiten kann, weil sie abgelehnt werden.

Diese Frauen lehnen ihre eigenen Wünsche ab? Ja, weil sie nicht zu ihrem Konzept von Weiblichkeit oder Moral oder Körperlichkeit passen. Man muss erst einen Zugang zu den Fantasien finden. Das passt zu den Ergebnissen einer Studie der Universität Göttingen. Darin wird nicht nur deutlich, dass tatsächlich die Mehrheit — 56 Prozent der Frauen und 65 Prozent der Männer — darunter leidet, dass ihre sexuellen Wünsche nicht erfüllt werden, sondern die Studie zeigt auch: Das setzt aber voraus, dass diese Wünsche ambivalenzfrei sind.

Das ist nicht immer so einfach wie der Wunsch, den ganzen Sonntag gemeinsam zu baden, sich danach eincremen zu lassen und im Bett zu frühstücken. Darauf kann der Partner antworten: Machen wir gleich am nächsten Sonntag. Hier muss man zunächst das heikle Verhältnis zu sich selbst klären: Kann ich diesen Wunsch bejahen?

Erst danach sollte man ihn dem Partner zumuten.


Zu wenig Sex in der Beziehung - wie und wann reagiert ihr?

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